Position

Position

Photographieren heißt, Kopf, Auge und Herz auf eine Schusslinie zu bringen… Der entscheidende Augenblick… Einfach da sein, ganz langsam, auf Samtpfoten daherkommen, um das Wasser nicht zu trüben…
Henri Cartier-Bresson

Eine aufrichtige stille Photographie ziehe ich einem Haufen von Antworten vor.
Consuelo Kanaga

Meine Photographien sind unbearbeitet. Ich lasse sie pur, wie sie von Anfang an waren.
Die Ausschnitte wähle ich bewusst, das Bild entsteht im Moment des Auslösens.
Der Augenblick des Findens ist immer wieder frisch. Ein Glücksmoment!
Es geht um das Sehen. Sehen ohne Vorstellungen im Kopf. Ohne Wollen. Ohne Konzepte. Das Gegenteil von konzeptuell. Die Dinge so zu sehen, wie sie sind. In ihrer Einfachheit und Alltäglichkeit.
Wenn die Betrachter in meinen Bildern Ruhe, Stille und offene Weite finden, ist es gelungen.

Welch eine Entdeckung ist das Buch “ The Practise of Contemplative Photography. Seeing the World with Fresh Eyes “ von Andy Karr und Michael Wood!
DTL

…Kunst, die ihren Ursprung in einem bestimmten Geisteszustand des Künstlers hat, den man auch als meditativen Zustand bezeichnen könnte. Es ist eine Haltung von Unmittelbarkeit und “sich seiner selbst ohne ein Ich bewusst sein“…
…die Natur aller Dinge anzuerkennen, wie sie sind und dies ohne jegliche gedankliche Anstrengung und Befürchtung zum Ausdruck zu bringen…
Chögyam Trungpa Rinpoche

In meiner Malerei ist seit einigen Jahren die Farbe wieder da. Monochrome wüstenartige Farblandschaften, die dem Betrachter Stille und Weite anbieten. Offene Farbflächen, in denen das Auge zur Ruhe kommen kann. Sehen und einfach Sein.
Wie entstehen meine Bilder? Spontaneität ist der Ausgangspunkt. Ich versuche, nichts erschaffen zu wollen. Erst mal leer und frisch sein. Und weiter im Fluss des Prozesses. Im besten Fall malt sich das Bild selbst.
DTL



Aus zwei Texten von Prof. Dr. Meike Sophia Baader

…. Die Fotografien berühren die Grenze zwischen Malerei und Fotografie. Die Nähe zur Malerei entsteht sowohl durch die weichen Konturen, durch das fotografische Sfumato, als auch durch die Farben. Das fotografische Sfumato arbeitet mit weichen Übergängen, die sich strikten Abgrenzungen verweigern. Die Fotografien stellen keine eindeutigen Behauptungen auf, eben deshalb werfen sie Fragen auf und thematisieren den Blick selbst.
Skyheavenparadise – der Titel, den Dagmar Tinschmann ihrer Serie gegeben hat, umfasst drei Wörter, für die die deutsche Sprache lediglich eines kennt: Himmel.
Drei ist nicht zwei, ist nicht entweder oder, nicht sowohl als auch, ist nicht Dualität oder Binarität, sondern eben Trinität. Trinität ermöglicht eine andere Wahl, lässt eine weitere Sichtweise zu. Fotografien, die Malerei ähneln.
Übergänge sind für mich auch darüber hinaus Thema der Arbeiten: Es gibt keine harten Linien und Grenzen, sondern Übergänge eben zwischen Fotografie und Malerei, zwischen Formen, Farben und Materialität oder auch zwischen Himmel und Erde, Himmel und Land, Immanenz und Transzendenz. Kraftvolle Farbigkeit gab es in den ersten Arbeiten vor dreißig Jahren und es gibt sie jetzt wieder in ihrer bewegten monochromen Malerei.