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Kindheit – ein Seiltanz
und Du wirkst so intakt.

In dieser Ausstellung in der Thomas-Dehler-Bibliothek zeige ich zwei Serien der letzten Jahre: “ Du wirkst so intakt “ und “Radikal intuitiv “.

Elfjährige Mädchen, die für sich stehen – mit einer Linie am Horizont. Und intuitiv entstandene größere Bilder, die spielerisch mit unterschiedlichen Materialien umgehen.

Zum ersten Mal stelle ich in einer Bibliothek aus. Es ist die letzte ihrer Art in Berlin, die rein ehrenamtlich gehalten wird. Hut ab für die Menschen, die das bewerkstelligen, finde ich!

Li Edelkoort, Trendforscherin und Kuratorin, sagt für die kommenden Jahre voraus: “ Büchereien werden Kleidertausch, Vorträge, Ausstellungen und Konzerte anbieten. Sie werden die neuen EPIZENTREN werden, gehalten von Ehrenamtlichen. “ Sie meint, dies sei eine der vielen gesellschaftlichen Initiativen, die uns Menschen wieder ZUSAMMEN bringen. Wäre doch schön, wenn Sie auch hier, wie so oft richtig liegt.

Mädchen – das Mädchen in türkis, Türkise der Nacht. Mädchen – das Mädchen in gelb, blond oder rot oder schwarz.
Zahllose Mädchen, alle um die elf. Mit kurzen Röcken. So sahen sie aus in den Sechzigern die kleinen Mädchen.
Mit elf war das Leben schwer, mit viel Tod und nicht sprechen und bleierner Stille und ganz viel allein sein.
Schon wieder verschwunden war der Vater, kaum war er da, schon wieder weg und dann tot.
Viel zu früh. Mit 36. Und sie war elf.
Sieben Wochen nach Kennedy. Der blutige Mann unterm Bett.
Still schweigen und bloß nichts fühlen.
Irgendwie durchkommen. Durch die Kindheit.
Tränen später.
Traurigkeit, den Vater kaum zu kennen. Unbekanntes Terrain.
Du siehst aus wie der Peter, sagt der wiedergefundene Patenonkel, Jugendfreund des Vaters zu mir.
Das hatte noch nie jemand zu ihr gesagt.
All die Jahre hatte sie immer ausgesehen wie die Mutter.
Diese Mädchen – plumpsten so raus aus ihr. Aus den Pinseln.
Polterten auf die kleinen Leinwände.
Eins nach dem anderen mit mannigfaltigen Stimmungen. Melancholisch, verträumt, rebellisch, sanft, heiter und mutig.
Sie sind mit dem, was ist.
Und mit dem, was im Werden ist.
Im angedeuteten Raum – da ist eine Horizontlinie.
Schweben zwischen Himmel und Erde, zwischen gestern und morgen.
Du wirkst so intakt. Ein Satz, mit dem mich junge Frau vor vielen Jahren ein Typ in einem Club ansprach. Eine ungewöhnliche Anmache wie ich fand.
Unversehrt, stabil, standfest, ungestört.
Bei all dem allein sein und nicht fühlen und nicht wissen was empfinden, in der Kindheit – doch noch intakt.
Yeah!

Radikal intuitiv

In diesen Bildern gibt es keine Geschichten.
Es gibt Vernetzungen, Bewegung, Überschneidungen, Zeichen, intensive Farbigkeit.
Mixed Media, verschiedene Medien, Papiere, Kohle, Acryl. Collagenartig. Zusammengesetzt.
Unser Geist möchte immer Beziehungen schaffen, benennen, Geschichten erzählen, erkennen.
Dem scheinen diese Bilder auf eine verblüffende Art entgegen zu wirken.
Die Betrachterin, der Schauende hat Raum, selber Geschichten zu entwerfen.
Raum, Zeichen zu entschlüsseln. Jede/r auf seine Art, immer wieder neu.
Spontaneität ist beim Malen der Ausgangspunkt. Leer und frisch.
Dann geht es weiter im Fluss des Prozesses.
Wie in der Kindheit als es noch die Zuversicht gab, dass jedes Bild gelingt